Weniger Wein, mehr Sonnenschein

Wie ertragsschwache oder brachliegende Rebflächen für die Solarstromproduktion genutzt werden können.

In Brackenheim im Landkreis Heilbronn plant die hep global GmbH ein neues Solarprojekt auf einer bisherigen Rebfläche. Auf rund fünf Hektar soll ab 2028 ein Solarpark mit einer Leistung von 7,4 Megawattpeak entstehen. Pro Jahr könnten dort künftig rund sieben Millionen Kilowattstunden Solarstrom erzeugt werden – genug, um etwa 2.000 durchschnittliche Haushalte mit Strom zu versorgen.

Weinbau unter wirtschaftlichem Druck

Sinkender Weinkonsum, wachsender internationaler Wettbewerb und strukturelle Herausforderungen setzen dem deutschen Weinbau seit Jahren zu. Insbesondere in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sinkt die Nachfrage nach den traditionell angebauten, eher schweren Rotweinen.

Hinzu kommen steigende Kosten im Anbau selbst. Gerade der Steillagenweinbau, also der Anbau in Hanglagen mit einer Neigung von mehr als 30 %, gilt als besonders arbeitsintensiv. Laut Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) fallen in gut mechanisierbaren Flachlagen rund 200 Arbeitsstunden pro Hektar an, während es in Steillagen bis zu 1.000 Arbeitsstunden jährlich sein können.

Nicht jede Region und jede Fläche ist gleichermaßen betroffen. Vor allem Betriebe mit hohen Bewirtschaftungskosten und ungeklärter Nachfolge geraten jedoch zunehmend wirtschaftlich unter Druck.

Aus der Vogelperspektive: der Solarpark Brackenheim soll auf der markierten Fläche entstehen.

Vogelperspektive der markierten Rebfläche des Solarprojekts Brackenheim

Alternativen für unwirtschaftliche Rebflächen

Die Fläche zwischen Dürrenzimmern und Hausen wird aktuell noch weinbaulich genutzt, gilt aufgrund ihrer Hanglage und der hohen Frostanfälligkeit – insbesondere durch Spätfröste – jedoch als ertragsschwach. Gleichzeitig eignet sich der Boden nur eingeschränkt für alternative landwirtschaftliche Nutzungen. Während etwa Obstbau oder einzelne Spezialkulturen grundsätzlich möglich bleiben, gilt klassischer Ackerbau auf solchen Flächen häufig als wenig wirtschaftlich.

Für Photovoltaik bringt die Fläche hingegen gute Voraussetzungen mit. Solarmodule lassen sich auch auf topografisch anspruchsvolleren und vergleichsweise kleinen Flurstücken flexibel installieren.

„Nicht jede Rebfläche ist unwirtschaftlich und sollte vorschnell anderweitig genutzt werden“, sagt Alexander Hügler, Ansprechpartner für Flächenakquise bei hep global. „Für betroffene Betriebe kann Photovoltaik aber eine sinnvolle Ergänzung sein. Die Flächen schaffen regelmäßige und planbare Einnahmen bei vergleichsweise geringem Bewirtschaftungsaufwand und können dadurch wirtschaftlich stabilisierend wirken.“

Rückbaubar statt dauerhaft versiegelt

Durch die Solarstromproduktion wird eine Fläche nicht dauerhaft versiegelt, sondern lediglich überbaut. Dadurch bleibt sie langfristig reversibel nutzbar. Sollte der Weinbau in 20 oder 30 Jahren wieder deutlich attraktiver werden, lassen sich Solaranlagen nahezu rückstandslos zurückbauen und die Flächen erneut für den Weinbau nutzen.

Gleichzeitig verhindern sinnvolle Nachnutzungen, dass wirtschaftlich aufgegebene Rebflächen brachliegen. Denn ungenutzte Weinbergsflächen können die Ausbreitung von Schädlingen und Infektionskrankheiten begünstigen und dadurch angrenzende Rebflächen befallen.

Die Kombination aus Weinbau und Photovoltaik: Viti-PV

Neben der vollständigen Umwidmung einer Rebfläche ist es zudem möglich, Weinbau und Energiegewinnung miteinander zu kombinieren. Bei der sogenannten Viti-PV werden Solarmodule direkt über den Weinreben installiert, um diese zu schützen, die Traubenreifung zu verzögern und Ernteverluste zu reduzieren.

Ob eine Rebfläche für Viti-PV geeignet ist, hängt allerdings von vielen Faktoren ab, die Eigentümer individuell mit Experten prüfen sollten. So müssen baurechtliche Vorschriften eingehalten werden, die Beschattung darf die Weinqualität nicht beeinträchtigen und auch Eigenverbrauch beziehungsweise Stromabnahme müssen gewährleistet sein.

Regionale Stromversorgung im Fokus

Für das Solarprojekt Brackenheim soll der erzeugte Solarstrom künftig über langfristige Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements, PPAs) an Unternehmen aus der Region verkauft werden.

Der Aufstellungsbeschluss für das Projekt wurde seitens der Kommune bereits erteilt. Parallel wurden erste naturschutzrechtliche Gutachten beauftragt, die unter anderem Vogel- und Reptilienpopulationen vor Ort untersuchen, um notwendige Ausgleichsmaßnahmen frühzeitig einzuplanen.

Mit dem Projekt verbindet hep global Energiewende und regionale Flächennutzung – nicht als Gegensatz, sondern als mögliche Antwort auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Weinbau.

Quellen: hep solar, Warum sich der Weinbau in einem Strukturwandel befindet | FAZ, Weinerzeugung 2025: Rückgang um 2,6% auf 7,55 Millionen Hektoliter – Statistisches Bundesamt, Weinbau: Rechtecke ohne Reben – Weinkrise mit mehr Weinbergsbrachen? | STERN.de, Statistik_2025.indd, Rückläufige Weineinkäufe | der deutsche weinbau, Allgemeine Infos: Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg, Viti-PV – Nachhaltiger Wein in Baden-Württemberg