Seit 2022 ist hep solar wieder verstärkt in der deutschen Solarprojektentwicklung aktiv. Vier Jahre später stehen wir vor dem Baubeginn einer Reihe von Projekten in Bayern. Doch bevor Unterkonstruktionen und Module an Ort und Stelle kommen, stehen oft ganz andere überraschende Aufgaben an. Ein Beitrag über archäologische Funde auf der einen und Kampfmittelräumung auf der anderen Seite.
Nicht nur Erde und Steine – Besonderheiten der Projektentwicklung
hep solar verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Projektentwicklung in den USA, Kanada und Japan. Dennoch tun sich für unsere Projektentwicklungsteams immer wieder neue, anspruchsvolle Aufgabenfelder auf, denn: kein Projekt gleicht dem anderen.
Wo Solarenergie auf Geschichte trifft
Für einen Solarpark nahe Regensburg hat das Bayrische Landesamt für Denkmalpflege eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis mit Auflagen erteilt. Unter der Erde werden Siedlungsstrukturen, Grabenwerke und sogar ein Gräberfeld vermutet. Die vermuteten Bodendenkmäler reichen zeitlich von der Linear‑ und Stichbandkeramik (ab ca. 5.500 v. Chr.) über die Frühbronze‑ und Urnenfelderzeit bis hin zur Hallstatt‑ und Frühlatènezeit sowie in die römische Kaiserzeit (bis ca. 4. Jahrhundert n. Chr.).
Das bedeutet konkret, der Bau muss von archäologischen Fachkräften begleitet werden, Bodenarbeiten erfolgen abschnittsweise und bei Funden werden Arbeiten temporär angepasst oder unterbrochen. Solche Maßnahmen erfordern enge Abstimmung zwischen Projektentwicklung, Behörden, Archäologie und Bau – sind aber ein wichtiger Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit Kulturgut.
Gleichzeitig findet bei diesem Park eine Kampfmittelerkundung statt, die sich ähnlicher Mittel bedient wie es die Archäologen tun: Mithilfe von historischer Recherche, Geländebegehung und feiner Messtechnik konnten dort ganze 360 Verdachtsfälle identifiziert werden, die es näher zu begutachten gilt. Zum Vergleich: Bei einem weiteren Solarpark nahe München waren es „nur“ rund 135 Verdachtsfälle in den ersten Erkundungen – und final eine kleinere Granate, die vom Kampfmittelräumdienst entfernt werden musste.
Das Ergebnis einer Sondierung mit über 300 identifizierten Verdachtsfällen

Wie läuft eine Kampfmittelerkundung ab?
Der Prozess ist deutlich komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Er beginnt zunächst am Schreibtisch und endet gegebenenfalls mit dem Kampfmittelräumdienst. Der Nachweis der Kampfmittelfreiheit ist nicht nur ein Sicherheitsaspekt, sondern auch ein formaler Meilenstein: Erst nach entsprechender Dokumentation kann eine Fläche regulär bebaut werden.
1. Historische Recherche
Analyse früherer Nutzungen des Geländes, Auswertung historischer Luftbilder und Erkenntnisse zu möglichen Kriegsereignissen wie Bombenabwurfgebieten, Kampfhandlungen oder ehemaligen Munitionslagern.
2. Risikoabschätzung
Auf Basis dieser Recherche wird eingeschätzt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für Kampfmittel im geplanten Baugebiet ist.
3. Sichtprüfung vor Ort
Eine erste Begehung der Fläche kann Hinweise auf Oberflächenanomalien liefern.
4. Geophysikalische Messungen
Kampfmittel bestehen häufig aus ferromagnetischen Materialien, die das natürliche Magnetfeld verzerren und so messbar machen. Mithilfe von Magnetometern werden diese Anomalien im Erdmagnetfeld identifiziert.
Der Einsatz eines fahrzeuggestützten Sondensystems mit GPS-Tracking, um die Messdaten exakt zu georeferenzieren.

5. Auswertung & Sondierungsbild
Aus den Messungen entsteht ein Sondierungsbild der Fläche mit sogenannten Verdachtsfällen.
6. Selektive Sondierung
Verdächtige Stellen werden zunächst manuell freigelegt – oft mit Schaufel und unter strengen Sicherheitsvorgaben.
7. Räumung durch Fachstellen
Wird tatsächlich Munition gefunden, übernimmt der staatliche Kampfmittelräumdienst die fachgerechte Räumung.
Ein harmloses Ergebnis einer Erkundung: Stark korrodiertes, erdverkrustetes Altmetall
