Die Energiewende braucht Flächen – doch die Konkurrenz zwischen Photovoltaik, Landwirtschaft und Naturschutz nimmt zu. Eine innovative Antwort auf diese Herausforderung liefert das sogenannte „Solar Grazing“ (Solar-Beweidung): die Integration von Weidetieren, insbesondere Schafen, zur ökologischen Pflege von Solarparks.
Solar Grazing – Wenn Schafe Stromweiden pflegen
Was in den USA bereits vielfach erprobt ist, zeigt auch für Deutschland großes Potenzial – ökologisch, ökonomisch und sozial. hep solar setzt bei einigen Projekten in den USA bereits auf das Modell der tiergestützten Pflege und schafft dabei neue Einkommensquellen für lokale Landwirte. Doch wie unterscheidet sich Solar Grazing von der hierzulande bekannten Agri-Photovoltaik? Welche ökologischen Vorteile bringt die Methode? Und welches Potenzial hat Solar Grazing in Deutschland?
Was ist Solar Grazing?
Solar Grazing ist die tiergestützte Pflege von Photovoltaik-Freiflächenanlagen – vor allem durch Schafe. Statt auf das regelmäßige Mähen zur Begrenzung des Pflanzenwachstums oder auf chemische Pflanzenschutzmittel zur Unkrautkontrolle zu setzen, übernehmen die Tiere die Vegetationspflege: Sie grasen rund um die Solarmodule, erreichen schwer zugängliche Stellen und fördern durch ihre Bewegung sogar die Bodenbelüftung auf natürlichem Wege. Forschungen der Cornell University zeigen, dass Solar Grazing die Kosten für das Vegetationsmanagement um bis zu 40 % senken kann – und gleichzeitig die Bodenqualität und Wasserspeicherung verbessert.
Neben den ökologischen Vorteilen entsteht auch ein wirtschaftlicher Nutzen: Die Methode ermöglicht landwirtschaftlichen Betrieben eine zusätzliche Einnahmequelle ihrer Schafhaltung. Besonders geeignet sind genügsame, pflegeleichte und hornlose Schafrassen wie Katahdin, Skudden oder Shropshire, die sich gut an die Bedingungen in Solarparks anpassen. Andere Weidetiere wie Ziegen, Geflügel oder Rinder sind zwar prinzipiell möglich, bringen aber Herausforderungen mit sich: Ziegen sind kletterfreudig, Geflügel benötigt zuverlässige Schutzmaßnahmen vor Raubtieren, und Rinder eignen sich eher für Agri-PV-Anlagen mit hoch aufgeständerten Modulen.
Abgrenzung: Solar Grazing vs. Agri-PV
In Deutschland wird der Begriff Agri-Photovoltaik (Agri-PV) vor allem mit der kombinierten Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für Ackerbau oder Sonderkulturen unter Solarmodulen in Verbindung gebracht, beispielsweise durch hoch aufgeständerte Solarpaneele über Getreidefeldern, Obst- oder Weinbau.
Solar Grazing hingegen ist eine spezielle Form der Agri-PV, bei der extensiv genutzte Weideflächen unter bestehenden PV-Freiflächenanlagen beweidet werden. Der große Vorteil: Diese Form der Doppelnutzung ist ohne technische Anpassungen an den Solarmodulen oder der Unterkonstruktion möglich.
Auch aus planerischer Sicht ist Solar Grazing besonders niedrigschwellig: Es erfordert keine zusätzliche Bauhöhe und keine besonderen Abstände oder Durchfahrtsbreiten. Herkömmliche Anlagetechniken können schnell und unkompliziert eingebunden werden, sowohl bei Neuprojekten als auch im laufenden Betrieb von bestehenden PV-Freiflächenanlagen.
Solar Grazing, aber nachhaltig
Während klassische Solar-Beweidung in erster Linie auf Kosteneinsparung bei Mähprozessen abzielt, verfolgt Sustainable Solar Grazing weiterführende Prinzipien: So wird beispielsweise mit Rotationsweiden gearbeitet, bei denen Schafe abschnittsweise über die Fläche geführt werden. Das ermöglicht Regenerationsphasen für Gras und Boden, verhindert Trittschäden und reduziert die Erosion. Das Mikroklima profitiert durch den Schatten der Module und den Verzicht auf mechanische Pflege. Denn wo keine Maschinen zum Einsatz kommen, entstehen auch deutlich weniger Emissionen.
Auch der schonende Zugang zur Fläche spielt eine Rolle. Anstelle von dauerhaft installierten Zäunen oder schwerer Technik können Hütehunde zum Einsatz kommen, die die Tierhaltung flexibler und stressfreier gestalten und nebenbei eine Kostenersparnis darstellen.
Der Betrieb wird oft in Kooperation mit regionalen Schäfereien durchgeführt. Dadurch werden lokale landwirtschaftliche Betriebe gestärkt und wirtschaftlich tragfähige Partnerschaften geschaffen. Sustainable Solar Grazing beschreibt damit mehr als reine Vegetationskontrolle. Es handelt sich um ein integratives Nutzungskonzept, das Photovoltaik mit den Prinzipien nachhaltiger Landbewirtschaftung verbindet und ein Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung, Bodenschutz, Tierwohl und lokaler Landwirtschaft anstrebt.
Best Practice: Sustainable Solar Grazing in North Carolina
Ein gelungenes Praxisbeispiel kommt aus North Carolina (USA). Dort betreut Landwirt Alex Greer, Inhaber der „37 Roots Farm“, mittlerweile zwei Solarparks von hep solar: RCCC in Salisbury und Perendale in Mocksville.

„Sustainable Solar Grazing war nichts, wonach ich aktiv gesucht habe. Es begann mit einem einfachen Häkchen auf einem Fragebogen. Heute ist es ein zentraler Bestandteil der Zukunft meines Betriebs. Die Zusammenarbeit mit einem engagierten und verlässlichen Partner wie hep solar hat entscheidend dazu beigetragen, aus dieser Chance eine nachhaltige Perspektive zu entwickeln.“
— Alex Greer, 37 Roots Farm